Was wird aus Tatoi – ehemalige Residenz des Königs von Griechenland?

Tatoi - ehemalige Residenz der griechischen Königsfamilie, 1985

Nordwestlich von Athen liegt das Parnis-Gebirge. Die mit 1413m höchste Erhebung ist der Karavola-Gipfel. Die dichte Bewaldung des Gebiets wurde leider durch die starken Waldbrände 2007 erheblich reduziert. Hier in Tatoi befindet sich die ehemalige Residenz der griechischen Könige.
Griechenland war Königreich von 1832-1924 und von 1935-1974. Als 1832 König Otto von Bayern zum ersten König Griechenlands ausgerufen wurde, war Nafplion auf dem Peloponnes die erste Hauptstadt des Landes und somit auch gleichzeitig Wohnsitz der königlichen Familie
(s. eBook Faszination Griechenland).
Bald zeigte sich jedoch, dass die Stadt den Anforderungen einer modernen Hauptstadt nicht entsprechen konnte. Deshalb wurde 1834 Athen als Hauptstadt Griechenlands ausgerufen. König Otto ließ im Zentrum der Stadt, am heutigen Syntagma-Platz das Stadtschloß erbauen. Es wurde von der Königsfamilie bis 1910 genutzt und ist heute Sitz des griechischen Parlaments. Nach einem Brand wurde dann in Tatoi die Sommerresidenz als königlicher Wohnsitz genutzt. Bereits 1871 hatte die königliche Familie hier Grundbesitz erworben, der Ende der 1870er Jahre 4500 Hektar betragen haben soll. Als Schloß oder gar Palast konnte man das Bauwerk jedoch kaum bezeichnen. Es mutete eher wie der Sitz eines Landadeligen an. Was auch noch dadurch unterstrichen wurde, dass neben dem eigentlichen Wohngebäude bäuerliche Gehöfte vorhanden waren und Landwirtschaft betrieben wurde. In der Nähe befindet sich der königliche Friedhof mit Gräbern von Mitgliedern der Königsfamilie. Als die Militärjunta unter Georgios Papadopoulos 1967 an die Macht kam, ging die Königsfamilie ins Exil. Seitdem ist Tatoi verschlossen, ungenutzt und dem Verfall preisgegeben. Eine Volksabstimmung 1974 ergab eine deutliche Ablehnung der Monarchie. Infolgedessen wurde das königliche Grundeigentum verstaatlicht und die Königsfamilie in einem gewissen Rahmen entschädigt.
Die heutige wirtschaftliche Situation zwingt Griechenland dazu, zur Verbesserung der Zahlungsbilanz Staatseigentum zu verkaufen und in Privateigentum zu wandeln. Neben Staatsbetrieben wie z.B. Eisenbahngesellschaft, Gas- und Wasserversorger und Häfen der Inseln Rhodos, Mykonos, Zakynthos soll nun auch über den Verkauf von Tatoi nachgedacht werden. Erste Überlegungen sehen einen Hotelbau und eine Wiederbelebung der Landwirtschft vor
(s. Griechenland Zeitung vom 5.9.2012).
Die Investitionssumme wird auf 4 Mio. Euro geschätzt.

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Kategorie: Reisen Griechenland